Über mich
 
  Interview mit
   
 
Madeleine G. Herzig
   
  Madeleine G. Herzig
   
   
  Wer sind Sie?
   
 

Mein Name ist Madeleine Germaine Herzig-Thomet. Geboren wurde ich 1946 in Bern. Ich bin verheiratet, wir haben zwei erwachsene Kinder und sind stolze Grosseltern. Seit über 30 Jahren wohnen wir in der Stadt Thun. Mein Mann und ich bewohnen eine Dachwohnung mit grosser Terrasse, mit einem wunderbaren Ausblick auf die Berner-Alpen. Im Sommer ist die Terrasse mein Nähatelier.

   
 
Gut gesteckt ist halb genäht.
Unser Basco
   
Gut gesteckt ist halb genäht.
Unser Basco
   
   
 

Woher stammt der Name MGH-Teddybears und wie wurden Sie Bärenkünstlerin?

   
  Der Name ist aus den Anfangsbuchstaben meiner Vornamen und unserem Familiennamen entstanden. MGH ist also nicht aus irgend einem Geheimnis heraus entstanden, das ich nicht verraten möchte.
   
 

Das Kreieren und Nähen von Teddys ist nicht einfach aus einer Laune heraus entstanden.
Jahre zuvor hatte ich die Möglichkeit beim Aufbau eines exklusiven Spielwarengeschäftes mitzuwirken. Im Verlaufe meiner mehr als 10-jährigen Tätigkeit kam ich so auch in Kontakt mit vielen Teddybär-Künstlerinnen im In- und Ausland. Ich kaufte wunderschöne Teddys für das Geschäft ein. Zusätzlich immer noch einen ganz speziellen Bären für mich privat. Meine Sammlung zuhause wuchs und wuchs.

   
 
Ausschnitt private Bären
   
 

Ausschnitt private Bären

   
 

Aus gesundheitlichen Gründen musste ich dann im Jahr 1998 meine so geliebte berufliche Tätigkeit aufgeben.
Aus Lust und Neugierde heraus versuchte ich dann wieder einmal einen Bären anzufertigen. Mein aller erster selbst genähter Bär erblickte 1993 das Licht der Welt. Das Ergebnis war für meine Begriffe eher enttäuschend! Aus Zeitmangel habe ich damals meine Nähkünste aber nicht näher verfeinert.
Auslöser für die nun definitive Zuwendung zu den Teddys war einerseits die notwendige berufliche Neuorientierung, sowie die Geburt meines ersten Enkels. So habe ich mich entschlossen, einen Kurs zu besuchen, um das Handwerk der Bärenmanufaktur richtig zu erlernen. Dies war im Frühjahr 1999. Bei einem Kurs blieb es jedoch nicht, es wurden dann bis zur heutigen Zeit insgesamt fünf.
Meine Freude wuchs von Bär zu Bär, da ich auch die Schnittmuster selbst gezeichnet hatte.

   
   
  Was macht Ihnen beim Bärenmachen am meisten Spass?
   
 

Neue Schnitte zu entwerfen. Meistens weiss ich bereits beim Fertigstellen eines Teddys, was beim Nächsten anders, besser oder schöner sein muss oder könnte. So entstehen auch bereits Ideen in meinem Kopf über das Aussehen des nächsten Teddys, wenn ich mir die Mohair-Stoffe aussuche. Es ist aber auch die künstlerische Freiheit, die einem auch immer wieder zu neuen Aktivitäten, d.h. Gestaltung neuer Schnitte animiert.

   
 
Ein neuer Schnitt entsteht und wird gleich in die Tat umgesetzt
Ein neuer Schnitt entsteht und wird gleich in die Tat umgesetzt
 
 

Ein neuer Schnitt entsteht und wird gleich in die Tat umgesetzt.

   
 

Zauberhaft ist es auch, Stoffe selber mit Pflanzenfarbe einzufärben und darüber zu staunen, welche herrlichen Licht- und Schattenspiele diese Naturfarben entstehen lassen.
Spass bereitet es mir auch, in Trödlerläden oder Flohmärkten herumzustreifen und nach Spielsachen oder anderen Accessoires für meine Teddys zu suchen. Hier werde ich aber auch von meinem Mann tatkräftig unterstützt, der schon sehr früh damit begonnen hat, Ausstattungsstücke für meine Bären von solchen Streifzügen mit nach hause zu bringen.

   
 
                                                           Mein Mann Jürg
   
 

Mein Mann Jürg

   
   
  Was sagt denn Ihr Mann bzw. die Familie zu den Teddybären?
   
 

Von meinem Mann werde ich diesbezüglich voll unterstützt, insbesondere durch konstruktive Kritiken die bei der Geburt eines neuen Teddys angebracht werden. Auch meine Kinder mit ihren Partnern sind begeisterte Kritiker. So ergeben sich dann für mich aus den angeregten Gesprächen wiederum wertvolle Anregungen.

   
   
  Wie reagieren die Besucher von Ausstellungen auf Ihre Teddy Kreationen? Welches war eigentlich der Grund für Sie an Teddy-Ausstellungen mitzumachen?
   
  Dazu muss ich sagen, dass ich auf die Reaktion der Besucher bei meiner ersten Ausstellung am meisten gespannt war. Meine Bären durften erstmals den Duft der grossen weiten Welt an einer Ausstellung im Nov./Dez. 1999 in Thun, gemeinsam mit den Astro-Bären von Frau Aregger, schnuppern.
   
 
An einer meiner ersten Ausstellungen
   
 
An einer meiner ersten Ausstellungen.
   
  Ich muss sagen, dass mich die erstaunten, belustigten, verwunderten und erfreuten Gesichter stolz gemacht haben und mir bestätigten, dass ich auf dem richtigen Weg war.
   
  Mein Mann war bald einmal der Ansicht, dass meine Teddys auch einem grösseren Publikum zugänglich gemacht werden sollten. Die erst grosse Bärenbörse war für mich das Bärentreffen in Muttenz im Jahr 2000. Darauf folgte das Bärenfestival 2000 in Sigriswil/BE. Da ich meine Teddys selbst nicht objektiv beurteilen konnte, stellte ich einen meiner Bären der gestrengen Jury vor. Meine Freude war riesig, als mein Teddy nominiert wurde. Als ich dann auch noch den Schweizermeistertitel und den „Swiss Teddy“-Preis in meiner Kategorie gewann, war dies der allerschönste Moment und ein grosser Ansporn für mich.
   
 

Die Schweizermeister und Swiss Teddy Gewinner

   
 
Albanus
„Camillo“ und „Bäron von Sofa“
2003
2000 und 2004
„Albanus“
„Camillo“ und „Bäron von Sofa“
   
 

Das Mitmachen an den internationalen Wettbewerben gab mir auch die Bestätigung, dass meine bärigen Kreationen zu gefallen wussten. Belegte ich doch als Newcomer respektable vordere Plätze.
In der Zwischenzeit bin ich an den Ausstellungen und Bärenbörsen im In- und Ausland, zu welchen mich mein Mann Jürg fast immer begleitet, recht erfolgreich (siehe auch Rubrik Ausstellungen). An der Publikumsreaktion hat sich seit meiner ersten Ausstellung, abgesehen vom Publikum, nichts geändert. Ich kann auch jetzt immer wieder gleich erstaunte, belustigte, verwunderte, erfreute oder verschmitzt lachende Gesichter entdecken. Ganz selten kommt es zu einer abweisenden Reaktion.

   
   
 

Ist das Bärenmachen für Sie noch ein Hobby oder schon ein Beruf? Wie viele Bären entstehen ungefähr in einem Jahr?

   
  Für mich ist das Bärenmachen nach wie vor ein Hobby voller Freude. Ich fertige keine Serien von Teddys an. Ein jeder meiner Bären ist ein Unikat. Sicher sehen viele meiner Teddys ähnlich aus, aber dennoch ist ein jeder ein Unikat, oder noch besser gesagt, eine eigene Persönlichkeit. Für mich sind das Verwandte des I., II. oder III. Grades. Ich möchte hier auch auf meine Teddy-Galerien verweisen, die einen sehr guten Überblick über mein Schaffen geben.
   
 
Nicht nur Teddybären entstehen bei MGH
   
 

Nicht nur Teddybären entstehen bei MGH.

   
  Wie viele Bären ich pro Jahr nähe ist sehr schwer zu sagen. Die Lust dazu spielt eine sehr grosse Rolle. Manchmal ist auch ein gewisser Zwang vorhanden und zwar dann, wenn ich an einer Ausstellung mehr Teddys verkauft habe und die nächste Ausstellung sozusagen schon vor der Türe steht.
Wenn ich viel Lust habe, so können es schon mal zwei bis drei Bären pro Woche sein. Aber das variiert wirklich sehr stark. Manchmal geht eben auch gar nichts. Eine kreative Pause ab und zu ist auch nicht schlecht, um neue Ideen reifen zu lassen. Dies auch, damit die MGH-Teddybear-Familie immer wieder interessanten, lieben- und charaktervollen Nachwuchs bekommt.
   
   
 

Die Bärenszene ist ja eigentlich immer im Wandel. Was bedeutet dies für Sie?

   
  Es ist richtig, dass die Bärenszene einem Wandel unterworfen ist. Man weiss nie, ob nun nostalgische Teddys vom Publikum gewünscht werden oder verrückte Kerlchen. Ich bin aber der Meinung, dass man sich selber bleiben sollte und nicht einfach den Trends folgt, die Manchenm in einer gewissen Art und Weise aufdoktriert werden.
   
  Schlimm finde ich, wie in letzter Zeit von vielen Bärenkünstlerinnen und -künstlern die Preise nach unten verschoben werden, nur um ihre Bären verkaufen zu können. Der grösste Schaden dadurch entsteht denjenigen Bärenkünstlerinnen und -künstlern, die davon ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ich persönlich bin der Meinung, dass gutes Handwerk nach wie vor seinen Preis hat und im Weiteren ist zu sagen, dass für einen sorgfältig gearbeiteten Teddybären doch einige Zeit aufgewendet werden muss (darf) bis er genäht, gestopft und mit Liebe ausgearbeitet ist.
   
  Für mich ist das höchste Ziel meine Eigenständigkeit zu wahren und aus qualitativ hochwertigem Mohair und anderen Materialien wie z.B. Viscose, Wollstoffen (z.B. alte Polsterstoffe) oder eben aus Schweizer-Armee-Wolldecken meine Exponate zu erstellen und dabei auch die Fantasie walten zu lassen. Wie ich bereits sagte, ist die Teilnahme an internationalen Wettbewerben immer ein Gradmesser.
   
 

So gewann ich bis heute drei Mal den Swiss Teddy und die Schweizermeisterschaft in der Kategorie Bären unbekleidet 13-50 cm (2000 mit dem Teddy Camillo, im Jahr 2003 mit meinem Teddy Albanus aus Schweizer-Armee-Wolldecke und im Jahr 2004 mit dem aus sehr alten Polsterstoffen gefertigten Teddy „Bäron von Sofa“). Im Jahre 2002 wurde ich an der Schweizermeisterschaft in Sigriswil in den Kategorien Minis bis 12 cm und Tableaux nominiert.

   
   
 

Vielen Dank für das Interview.